Eve
(1979)

Auf "Eve" wollten Eric Woolfson und Alan Parsons sich thematisch mit der Frau auseinandersetzen. Und so interessant und gelungen die vorherigen Themen auf den Vorgängeralben umgesetzt worden waren, so unglücklich ist es leider auf "Eve" geraten.

Auf "Eve" werden Frauen sehr negativ beleuchtet und eigentlich mehr mit Platitüden versehen als mit intelligenten Texten. Zwar mag "You lie down with dogs" auf manche Frau und manchen Mann buchstäblich zutreffen, doch zusammen mit solchen Textzeilen wie "I'd rather be a man than sin my soul like you do" oder dem etwas weinerlichen "You won't be there" gerät das Ganze eher zur Peinlichkeit.

Ob Frauen nun als unmoralische Luder beschrieben werden, die praktisch mit jedem ins Bett steigen, oder als die einfach schlechtere Sorte Mensch, dann als die Person die natürlich nie da ist, wenn man sie braucht und als diejenige, die allzu dumme Männer wie eine Aufziehpuppe an der Nase herumführt und kontrolliert - die erste Hälfte des Albums läßt kein Klischee aus.

Die etwas versöhnlicher gemeinte zweite Hälfte macht es leider auch nicht besser. Zwar darf diesmal Lenny Zakatek auf der Single "Damned if I do" im Gegensatz zu "You lie down with dogs" etwas differenzierter ans Thema herangehen und immerhin zugestehen, daß er "kein Herz aus Stein hat" - auch wenn seine Freundin ihn immer wieder verlassen will - aber die Texte werden nicht wirklich besser. Zwar kommen auf der zweiten Hälfte auch zwei Frauen zu Wort, was für das Alan Parsons Project eine Seltenheit ist, aber mehr als sentimentale Seichtigkeiten kommen meist nicht dabei heraus.

Anzumerken ist dabei, daß mit Clare Torry auf "Don't hold back" eine alte Bekannte von Alan Parsons singt - sie hatte sich dereinst beim "Great gig in the sky" von Pink Floyd die Seele aus dem Leib gesungen.

Zur Musik... Vieles auf dem Album klingt mittlerweile recht routiniert, vielleicht auch diesmal etwas uninspiriert, so als wären Eric Woolfson nach drei gelungenen Alben ein wenig die Ideen ausgegangen. Abgesehen vom Text ist "You lie down with dogs" noch gut gelungen und das abschließende "If I could change your mind" ist trotz aller Sentimentalität gefühlvoll geraten. Großer (und genaugenommen einziger echter) Höhepunkt auf dem Album ist aber das instrumentale Eröffnungsstück "Lucifer", das gewiß eines der besten Instrumentalstücke des Alan Parsons Project überhaupt geworden ist - es ist schlicht genial. Hierzulande ist es u.a. auch als Erkennungsmelodie des Politmagazins "Monitor" bekannt geworden.

Als weiteres Instrumental bietet "Secret Garden" etwas Beach Boys Feeling, kommt aber nicht an das grandiose "Lucifer" heran.

Was bleibt als Fazit zurück? Das durchaus interessante Thema Mann-Frau wurde auf "Eve" leider völlig mißlungen umgesetzt. Entweder hat man damals mit Absicht sich auf Auswüchse nur konzentriert und wollte etwas provozieren, indem man geistig die Haltung vergangener Jahrhunderte annimmt, oder aber Woolfson und Parsons ist einfach nichts besseres eingefallen. Ursprünglich wollte man als Textbasis Zitate berühmter Frauen benutzen... wäre am Ende vielleicht besser geraten. Wer weiß.

Fans des Alan Parsons Project können sich vereinzelt an ein paar Liedern freuen. Wenn es nicht "Lucifer" auf dem Album gäbe, bestünde aber eigentlich kein Grund, sich "Eve" zu kaufen. So gesehen kann ich nur festhalten, daß Leute, die orchestrale, bombastische Instrumentalstücke lieben, mit "Lucifer" gewiß eines der besten Lieder überhaupt geboten bekommen. Und da die Alben von Alan Parsons doch eher schon in der Nice Price Region angesiedelt sind, rechtfertigt das dann am Ende doch den Kauf von "Eve". Es sei denn, man gönnt sich einen der zahlreichen Alan Parsons Project -Sampler, die es gibt, auf denen "Lucifer" auch vertreten ist.

Anzumerken ist noch, daß auf "Eve" der erste Einsatz des Schlagzeugers Stuart Elliott war, der damit Stuart Tosh ablöste und von nun an auf allen weiteren Alben die Trommelfelle bediente.

Und als letzter Satz sei gesagt, daß Alan Parsons rückblickend selbst nicht allzu viel von "Eve" hält - auch wenn es damals hier in Deutschland auf Platz 1 der LP-Charts landete.

7 Punkte