Songs From The Lions Cage
(1995 - Carson, More, Nolan, Orsi, Pointer)

Arena sind für mich das neue Highlight am Progrock-Himmel. Und sie liefern bereits mit dem Debutalbum ein durch und durch überzeugendes Werk ab, das mit schönen Melodien, komplexen Arrangements, wunderbaren Keyboardsounds und vor allem Gefühl besticht. Viele sagen, daß Arena dabei ein wenig wie Marillion klingen, was unterstützt wird durch die Tatsache, daß Mick Pointer Ex-Drummer von Marillion ist (und erst nach jahrelanger Pause im Musikgeschäft mit Arena zurückkehrte) und Sänger John Carson durchaus hier und da wie Fish in alten Marillion-Zeiten klingt.

Ich finde jedoch, daß Marillion selbst in guten alten Tagen niemals die Klasse von Arena heute erreichten. Anleihen am Stil sind manchmal hörbar, eine Kopie ist es jedoch bei weitem nicht. "Songs from the lions cage" bietet völlig unabhängig von eventuellen Ähnlichkeiten wunderbaren Progrock - und das ist für mich das wichtigste.

Zusammengehalten wird das erste Album vom Songzyklus "Crying for help" der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht und die einzelnen großen Lieder mit kurzen, stillen Instrumentalteilen verbindet. Allein bei "Crying for help IV" wird gesungen und es bildet für mich einen der vielen Höhepunkte auf dem Album. Die Ballade - mit einem exzellenten Gitarrensolo von Marillion-Gitarrist Steve Rothery versehen - ist schlicht sinnlich, leidenschaftlich und ergreifend. Die anderen Stücke sind meist schneller und etwas aggressiver gespielt.

Der erste Track "Out of the wilderness" eröffnet mit einem recht harten Gitarrenriff, wobei gleich auch schon Nolans 70er-Jahre Keyboardklänge einsetzen. Der Song ist recht "heavy" geraten phasenweise (wie andere Teile des Albums auch) und klingt druckvoll und dynamisch.

"Valley of the Kings" kommt mehr bombastisch daher. Pointers Schlagzeug beginnt das Stück mit einem Lauf auf den Toms und Nolans Keyboard liefert dazu Bombastsounds bester Güte. Danach geht es im Gesangsteil etwas ruhiger zur Sache - im Mittelteil gibt es dann ein virtuoses Keyboardsolo von Nolan in bester Qualität, unterlegt von den so lieb gewonnenen Mellotron-Samples, die man schon bei Gruppen wie "Genesis" hörte.

Der absolute Höhepunkt des Albums ist aber das rund 14-minütige "Solomon". Es beginnt leise und still, fast ätherisch, mit einem leisen Frauenchor im Hintergrund, um sich dann allmählich auf den Höhepunkt zuzubewegen: ein Instrumentalteil voller Power und Leidenschaft, getragen von Keith Mores E-Gitarre, unterstützt von Clive Nolans Bombastsounds und von vorne bis hinten atemberaubend und mitreißend. Arena sind auf ihrem ersten Album bereits auf einem Top-Level angelangt, was sicherlich auch an den treibenden Musikern liegt, die mit Arena nicht ihr erstes Projekt in Angriff nehmen. Für mich eines der allerbesten Progrock-Alben der 90er Jahre und unbedingt zu empfehlen.

14 Punkte