II
(2003 - Grussner, King, Kloos, Masi, Mattson)

Condition Red sind eine schwedische Progmetal-Band, die nach ihrem Debutalbum aus dem Jahr 2000 nun mit etwas verändertem Line-Up ihr Nachfolgewerk vorlegen, das einfacherweise mit "II" betitelt wurde.

Die Musik ist melodisch ausgerichtet, mit gelegentlichen Anleihen in der Klassik, was vor allem bei den Keyboards von Alexander Kling deutlich wird. Die E-Gitarre von Lars Eric Mattsson groovt dafür ordentlich, seine diversen Frickeleien klingen versiert und werden stets songdienlich eingesetzt. Gelegentlich wird auch die Violine verwendet, die von der Sängerin Ella Grussner gespielt wird.

Die Songs auf "II" sind allesamt eher kompakt, das längste Lied dauert knapp 7 Minuten, doch allerlei Rhythmuswechsel und Soloeinlagen sorgen für die nötige Komplexität. Hier und da werden sogar Erinnerungen an andere Proggrößen wie z.B. Änglagård wach - Gitarrist Lars Eric Mattsons E-Gitarre beim Instrumental "Cycles" könnte genausogut auf "Hybris" passen.

Und Instrumentals gibt es eine Menge auf dem Album - von den 13 Liedern, sind allein 7 instrumental gehalten. Was vielleicht auch gut so ist. Sind Condition Red zwar spieltechnisch über jeden Zweifel erhaben, gibt es ausgerechnet beim Gesang leichte Schwächen. Ella Grussner klingt als solches zwar sanft und angenehm, aber ihrer Stimme fehlt es an Dynamik und Ausdruck, so daß die Gesangslinien seltsam entrückt bzw. verschlafen klingen.

Dabei ist das Songmaterial von Condition Red durchweg gelungen und divers ausgefallen. Die Band vermeidet es, den allzu typischen Progmetal-Klischees anheim zu fallen. Die Bandbreite reicht vom klassisch angehauchten Bombast, über indische Sitarklänge bis hin zu leichten Folkelementen. Dabei gibt es immer auch mal verspielte Soloeinlagen, aber genauso auch sanfte und zurückhaltende Passagen. Mit einer ausdrucksstärkeren Sängerin würden Condition Red ganz gewiß an die Oberliga des Progmetals anklopfen.

Doch der etwas zu unspektakuläre Gesang und ein etwas dünner Sound verhindern dies leider. Das soll aber niemanden davon abhalten, "II" anzutesten. Das Album hat trotz der erwähnten Schwächen sehr viel Potential und 13 gelungene und eingängige Lieder, so daß man den schwächelnden Gesang und die etwas dünne Produktion verzeihen kann.

Condition Red sind damit durchaus ein Tip für Progmetal-Fans, die Bands leid sind, die dem Technikoverkill frönen und dabei die Lieder vergessen. Die Schweden schaffen die richtige Balance zwischen Technik und Gefühl - zwischen Melodie und Soloeinlage.

10 Punkte