Fluid Druid
(1976 - Brewer, Dane, McCrorie-Shand, Sharpley)

Dem Debutalbum von Druid war kein großer Erfolg beschieden. Die Gruppe hatte generell mit einem gewaltigen Imageproblem zu kämpfen. Als Gewinner eines Bandwettbewerbes des Melody Makers und dementsprechend von dem Blatt auch vermarktet, galten sie als Protegés des Magazins und wurden somit nur mit spitzen Fingern von der anderen Presse und den Radiosendern angefaßt, da man den Lesern und Hörern nicht den Eindruck vermitteln wollte, daß hier eine Band nur aufgrund ihrer Beziehungen gepusht wird.
Und somit gab es trotz des EMI-Labels und der dahinterstehenden Maschine große Schwierigkeiten, da die Band von den Fans progressiver Musik nicht akzeptiert wurde.

Mit ihrem zweiten und gleichzeitig letzten Album versuchten Druid, etwas mehr eigene Linie zu finden, nachdem das Debutalbum doch sehr nach Yes geklungen hatte - was nichts schlechtes unbedingt war. Auf Druid Fluid sind überlange, komplexe Strukturen deutlich zurückgewichen und die Songs wirken allesamt gestraffter, seltsamerweise ähnlich stellenweise wie das erst ein Jahr später erschienene Album "Going For The One" von Yes.

Überzeugen kann mich das zweite Album nur noch phasenweise. Die Melodien klingen manchmal einfach nur langweilig - wie bei dem Opener "Razor Truth" z.B., das irgendwie nur dahinplätschert ohne echte Stimmung aufkommen zu lassen. Auch klingt manche Passage wie schon einmal auf dem Debutalbum gehört - so z.B. bei "Painters Cloud", das ansonsten wirklich gut ist.
Dann gibt es auch noch ein paar kurze und etwas skurrile Instrumentalstücke von McCrorie-Shand - z.B. "FM 145", das mich irgendwie vage an die Solostücke der Yesmusiker vom Fragile-Album erinnert. "The Fisherman's Friend" ist dann der sehr merkwürdige 45-sekündige Ausklang des Albums, das Lied soll wohl witzig sein (man hört nebenbei eine rauchige Stimme irgendwas sagen...), wirkt aber irgendwie überflüssig.
Es fehlen vor allem schöne Melodien, nur "Nothing but morning", das sehr dynamisch geraten ist, "Painters Cloud" mit nettem Intro und das mit etwas mehr als 7 Minuten längste Lied "Left To Find", welches wiederum sehr besinnlich ausgefallen ist und ein grandioses Intro hat, gefallen mir wirklich, bzw. würden den Kauf lohnen. Der Rest fällt mehr oder weniger ab, so daß der Eindruck des Albums ein wenig zwiespältig ist.

Druids kurze und meist überschattete Bandhistorie nahm mit diesem zweiten Album auch schon sein Ende. Die Punkwelle schwappte über Europa und spülte die progressive Rockmusik Ende der 70er fort.
Als Fazit bleibt, das "Fluid Druid", drei, vier wirklich gelungene Lieder aufweist, die ca. die Hälfte der Gesamtspielzeit ausmachen und der Rest doch eher uninteressant manchmal klingt.
Man hat zwar mehr eigene Identität gewonnen, aber dies nicht immer unbedingt zum Vorteil. Da man das Album aber ohnehin nur noch zusammen mit dem Debut als Doppel-CD erwerben kann, bleibt unter dem Strich stehen, daß die Doppel-CD den Kauf auf jeden Fall lohnt. Gibt es doch auf beiden Alben zusammen sehr schöne, besinnliche progressive Werke.

9 Punkte