Nude
(2004)
Vast und der kreative Kopf der Band, Jon Crosby, waren mir bisher gänzlich unbekannt, bis das neue Album "Nude" bei mir ins Haus flatterte. Es geschieht nicht oft, daß mir ein Album praktisch auf Anhieb gefällt und seinen Reiz über die Zeit halten kann. "Nude" ist es gelungen. Zwischen formelhafter Progmusik à la Neal Morse oder elektrisch-unzugänglicher Musik von Kevin Moore, wirkt "Nude" wie die befreiende frische Brise, die allen Nebel fortweht und den Blick auf schöne Musik wieder freilegt.
Was soll ich groß schreiben? Jon Crosby sind durchweg wunderschöne Songs gelungen, die vielleicht irgendwo in der Grauzone zwischen Progressive und Alternative Rock anzusiedeln sind, vor allem aber durch exzellente Melodien bestechen. Die Lieder handeln oft auf persönliche Weise von der Liebe und Schmerz, ohne sich dabei der Profanität hinzugeben. Getragen wird das alles von exzellenten Riffs, bei denen Gitarren und Keyboards wohldosiert die Grundgerüste stellen, und dem leidenschaftlichen Gesang Jon Crosbys, der mich phasenweise an Bono von U2 erinnert.
Die Songs sind dabei mal bombastisch ("Turquoise", "Thrown Away"), mal fragil, wenn Crosby allein zur Akustikgitarre singt ("Desert Garden") oder auch balladenhaft, wenn ein Piano das melancholische Fundament legt ("Don't Take Your Love Away From Me"). Eines ist allen Stücken gemein, sie sind sehr eindringlich geraten und berühren den Zuhörer.
"Nude" ist eine der großen Empfehlungen im Progherbst, wer erst mal reinhört, wird sich nur schwerlich dem speziellen Zauber von Vast entziehen können. Mehr muß zu diesem Album nicht gesagt werden. Selber hören ist die Devise.
13 Punkte
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